Traudl Brunnquell

TRAUDL BRUNNQUELL

WERK

MENSCH

WERK

SATTE FARBEN UND MARKANTE FORMEN:
LEUCHTEN, DIE WOHNTRENDS SETZTEN

Das Wirken der Gestalterin Traudl Brunnquell (1919 – 2010) erstreckt sich vor allem auf das Leuchtendesign. Sie zählt zu den wenigen Gestalter*innen, die sich ganz dem Licht verschrieben haben.  

Großformatige Bodenleuchten, modulare Lampen in Kachelform – Traudl Brunnquell entwickelte in den Jahren von 1961 bis 1980 ein beachtliches Werk in einer meist von männlichen Architekten dominierten Branche. Unter Traudl Brunnquell, die eher zufällig zum Design fand, entstanden in Ingolstadt Leuchten, die aus Porzellan und Steingut gefertigt wurden und durch ihren unkonventionellen Gebrauch des Materials hervortraten. Sie lotete die Möglichkeiten des Keramischen vollends aus, wovon die tragbare Leuchte mit Henkel oder die Steingutleuchte mit Schwenkkopf zeugen. Ihre Designs bedienten jene neuen Begehrlichkeiten, die durch die aufkommenden Einrichtungsmagazine geweckt wurden. Wenn auch nicht günstig, blieben sie für die Mehrheit der Verbraucher erschwinglich. Über die Jahre entstand unter der Leitung von Traudl Brunnquell eine ganze Bandbreite an Leuchten, mit denen jegliche Bereiche des Wohnens – vom Kinderzimmer bis zur Terrasse – ausgestattet werden konnten. Der Designerin ist es zu verdanken, dass sich innerhalb der Firma Brunnquell ein eigenständiges Leuchtensegment etablierte, das zusehends von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Vereinzelte Exkurse von Traudl Brunnquell in die Bereiche des Mobiliars und der Wohnraumaccessoires konnten sich auf dem Markt nicht durchsetzen.  Für ihre eher schlichten Leuchten 4020 und 4140 erhielt die Designerin 1977 den Preis Die gute Industrieform, mit dem seit 1953 in Deutschland herausragende Designleistungen prämiert wurden.

15237

Tisch-, Nachttisch- oder Bücherregalleuchte
um 1972
Gesamthöhe 37 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15029.1

Tisch-, Nachttisch- oder Bücherregalleuchte mit Schraubgewindeglas
um 1970
Gesamthöhe 16 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15058.1

Porzellanwürfel für Steckgläser, kombinier- und ineinanderstellbar
um 1972
Gesamthöhe 34,5 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15066.1

Porzellanwürfel für Steckgläser
um 1972
Gesamthöhe 16 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

150731.1

Tisch-. Nachttisch- oder Bücherregalleuchte mit Glas
um 1970
Gesamthöhe 35 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

8236.1

Tisch- oder Nachttischleuchte

um 1968
Gesamthöhe 25 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

4154

Wand- oder Spiegelleuchte
1973
Gesamthöhe 17,5 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

4144

Wand- oder Spiegelleuchte
1973
Gesamthöhe 19 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

4158

Wand- oder Spiegelleuchte
1973
Gesamthöhe 50 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15054.1

Tisch-, Nachttisch- oder Bücherregalleuchte
um 1970
Gesamthöhe 18 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15173.0004

Tisch-, Nachttisch- oder Bücherregalleuchte. Kombinierbar. Auch verwendbar als Wandleuchte
um 1973
Gesamthöhe 15 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

4132.1

Wand- oder Deckenleuchte
1963
Gesamthöhe 17 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

4020.1

Wand- oder Deckenleuchte, auch für Außen
1961
Gesamthöhe 145 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15017.1

Porzellanleuchte für Gärten, Terrassen, Balkone und Innenräume
um 1970
Gesamthöhe 102 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

8851

Standleuchte aus Steingut
1973
Gesamthöhe 93 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

15215.0004

Tisch-, Nachttisch- oder Bücherregalleuchte
1972
Gesamthöhe 22 cm
Foto: Hubert P. Klotzeck

Filmbeitrag zur Messerundschau vom 03.06.1969
Dauer: 3 min

© NDR

MENSCH

EINE FRAU MIT LEUCHTKRAFT

Traudl Brunnquell (29.08.1919, München  – 16.03.2010, Ingolstadt; gebürtig Gertrud Maria Adam) war eine deutsche Designerin und Künstlerin, die für ihre farbkräftigen Leuchten bekannt geworden ist. 

 Am 29. August 1919 wurde Traudl Adam als einziges Kind von Anna und Heinrich Georg Adam geboren und wuchs in einem bürgerlich-konservativen Umfeld auf. Ihre gesamte Kindheit und Jugend verbrachte sie in ihrer Geburtsstadt München. Dem väterlichen Wunsch entsprechend, absolvierte sie in den Jahren von 1933 bis 1934 eine Ausbildung als technische Zeichnerin und nahm eine Stelle bei den Isar-Amper-Werken an. Über ihren Cousin Fritz Peters lernte sie seinerzeit den damaligen Studenten Karl-Heinz Brunnquell kennen, den sie am 31. März 1945 heiratete. Die Ehe mit dem Thüringer Unternehmer eröffnete ihr neue und verantwortungsvolle Positionen innerhalb der familiengeführten Werke, die ab 1950 ihren Sitz in Ingolstadt hatten. Das bei Brunnquell bis dahin eher pragmatisch betriebene Leuchtensegment, die Firma war hauptsächlich auf die Herstellung elektronischer Apparaturen spezialisiert, erregte bald ihr Interesse. Erste eigene, mutige Entwürfe für Leuchten folgten. Dank ihrer Beharrlichkeit gingen diese ab den 1960er Jahren in Serie und die knalligen Glasuren markierten eine neue Ära. Von kleinen, mit Tragegriff versehenen Nachttischleuchten und stapelbaren Leuchtwürfeln, bis zur übergroßen Terrassenleuchte – Traudl Brunnquell lotete die Möglichkeiten des Keramischen aus. Der Erfolg gab ihr Recht und die neuen Brunnquell-Leuchten waren gefragt. 1977 wurde sie mit dem bundesdeutschen Preis für herausragendes Industriedesign geehrt. 1978 eröffnete Traudl Brunnquell ein Leuchtengeschäft in Tel Aviv.  

Nach dem altersbedingten Ausscheiden aus der Firma, war für Traudl Brunnquell nicht an Ruhestand zu denken. Sie widmete sich fortan ihrem Jugendtraum und kehrte zur Malerei zurück. Es entstand eine Fülle von figurativen Arbeiten, die jedoch nicht an ihr Design heranreichte. Zeitlebens setzte sie sich aktiv für die Kunst und Kultur ihrer Wahlheimat Ingolstadt ein.  Am 16. März 2010 starb Traudl Brunnquell im Alter von 90 Jahren.   

Für ihre Leistungen im Bereich des Produktdesigns wurde Traudl Brunnquell im Jahr 2017 posthum in die Stiftung für Konkrete Kunst und Design als 17. Stiftungskünstlerin aufgenommen. 

1933 – 34
Ausbildung zur technischen Zeichnerin in München

1945
Heirat mit dem Unternehmer Karl-Heinz Brunnquell (1913 – 1998) und Umzug nach
Sondershausen, Thüringen. Übernahme erster Aufgaben im Unternehmen Brunnquell

1948
Neugründung von Brunnquell am Standort Ingolstadt, nachdem die Firmenstandorte in
Thüringen durch die sowjetische Besatzung verstaatlicht worden waren

1961 – 79
Leitung der Designabteilung der Firma Brunnquell

1977
Erhalt der Auszeichnung Die gute Industrieform 1977

1978
Eröffnung eines Leuchtengeschäfts in Tel Aviv, Israel

ab 1980
Hinwendung zur Malerei

2017
Aufnahme in die Stiftung für Konkrete Kunst und Design

2019
Erste Einzelausstellung im Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt

 

Wer ist … Traudl Brunnquell?
Filmbeitrag zur Ausstellung „Brunnquell. Lampendesign aus Ingolstadt“
Dauer: 19:20 min
© Museum für Konkreten Kunst

Mit freundlicher Unterstützung von

Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt

Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt

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